Jagt sie aus dem Tempel!

Ernerut beklagen die christlichen Kirchen in Deutschland einen dramatischen Mitgliederschwund. Der wahrscheinliche Auslöser diesmal: Die Umstellung der Abrechnung der Kirchensteuer, bei der nun die Bank direkt die Daten zur religiösen Zugehörigkeit abfragt und bei Kapitalerlösen über 800 € (die auch schon vorher steuerpflichtig waren) die Kirchensteuer mit einberechnet. 

Nun könnte man natürlich fragen, was meine Sparkasse meine Religionszugehörigkeit angeht. Aber ich vertraue denen mein Geld an, da dürfen die wohl dann auch alles andere wissen. Im Namen der Einfachheit wird damit ein Stück sehr perönlicher ANschauung weiter veröffentlicht, aber das soll nicht Thema dieses Beitrags werden. 

Der renommierte Kirchenjournalist Benjamin Lassiwe schreibt, die Austrittszahlen seien zwischen 30 und 60% höher als noch im Vorjahreszeitraum. In dem vorliegenden Artikel geht es hauptsächlich um die Situation in Schleswig-Holstein.

http://www.shz.de/schleswig-holstein/wirtschaft/sh-die-kirche-verliert-immer-mehr-mitglieder-id7430601.html

Erhellend ist der Kommentar des Schleswiger Bischofs:

Zitat: „Es kann sein, dass wir die Wirkung unterschätzt haben, die entsteht, wenn alle Kirchenmitglieder ein Schreiben von ihrer Bank erhalten“, sagt Magaard. Oft würden nun Menschen aus der Kirche austreten, zu denen die Gemeinden ohnehin schon länger keinen Kontakt mehr hatten. „Wir haben uns um Information bemüht, aber vielleicht nicht jeden erreicht“, räumt Magaard ein. „Dabei müssen wir eigentlich ein großes Interesse daran haben, dass die Menschen nicht aus falschen Gründen aus der Kirche austreten.““

Nun meine zentrale Frage: Selbstverständlich ist es für die Kirchen in finanzieller Hinsicht schwierig, wenn der Mitgliederschwund unvermindert anhält. Aber könnte man nicht auch sagen: Gut, dass wir die Leute los sind, die aus den falschen Gründen in der Kirche sind? Lebt nicht die Kirche vom Glauben? Oder geht es wirklich nur um den schnöden Mammon, in dem Falle sollte die Überschrift greifen. 

Religion ist meiner Überzeugung nach, und hier oute ich mich als Laizist, eine höchst persönliche Angelegenheit. Und Glaubensfragen sollten losgelöst von finanziellen Interessen stehen. Welche Institutionen meine Weltanschauung erfahren können, möchte ich selbst bestimmen und eins sage ich dazu, die Liste wird verdammt kurz. Meine Bank gehen meine Überzeugungen nichts an.

Nun ist es natürlich möglich, dass einfach eine andere These zutrifft und die Mehrheit der Menschen einen Brief von ihrer Bank 1. Grundsätzlich nicht versteht und 2. Mißtrauen an den Tag legt. Letzteres ist im Verkehr mit Banken eigentlich nie fehl am Platze, ersteres ein Grundübel der Gesellschaft. Da wäre es unter Umständen sinnvoll gewesen, wenn erstmal die Kirchen in einem Rundbrief an die Mitglieder den neuen Vereinfachungscoup erläutert hätte, aber der Kontakt zu den nur zahlenden Mitgliedern, die nicht aktiv am Gemeindeleben teilhaben, scheint lange abgerissen.

Und wenn das zutrifft, hält sich meine Trauer in Grenzen.

Und Jesus ging zum Tempel Gottes hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß um der Wechsler Tische und die Stühle der Taubenkrämer und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: „Mein Haus soll ein Bethaus heißen“; ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht, Matthäus 21.12, 13

Ihr Narren und Blinden! Was ist größer: das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?, Matthäus 23.17

 

Advertisements
Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s